Thomas Rentmeister 

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KURZVITA Thomas Rentmeister (*1964) studierte bei Günther Uecker und Alfonso Hüppi an der Kunstakademie Düsseldorf. Er erhielt 1996 das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn, sowie 1988 das Philip Morris-Stipendium in Berlin. Lehraufträge brachten ihn an die Kunsthochschule Kassel, die UDK Berlin und die Kunsthochschule Weißensee in Berlin. Seit 2007 ist Rentmeister Professor für Skulptur an der HBK Braunschweig. Thomas Rentmeister lebt in Berlin. 

 

Thomas Rentmeisters Zuckerdüne, die ganz offenkundig unser Konsumverhalten kritisiert, ist eine der meist gezeigten Arbeiten des Künstlers und vielen Ausstellungsbesuchern ein Begriff. Den Spot nun auf dieses Kunstwerk, aus dem Jahr 2007, zu richten, ist nur konsequent, da die Ausstellung verdeutlichen möchte, dass viele der älteren Werke gerade jetzt wieder an Aktualität gewinnen. Massenproduktion und übermäßiger Konsum – wie wir es zugespitzt in Form von Hamsterkäufen momentan erleben – sind Themen, die in den Skulpturen von Rentmeister fortlaufend verhandelt werden. Darüber hinaus öffnen sich weitere Ebenen der Interpretation. Die weiße Fläche der großen Zuckerdüne funktioniert wie eine Imaginationsfläche. Der Künstler überlässt dem Betrachter seiner Phantasie. Assoziationen von Verschwendung; Kitsch und Kristall; Unbeflecktheit; Ironie; Licht, dem Geschmack von zu viel Süße; Ekel; Vergänglichkeit; Stabilität und Instabilität werden geweckt. Die Selbstreflexion des eigenen Konsumverhaltens kann darüber hinaus stattfinden, ist aber nicht zwangsläufig/ direkt beabsichtigt. Lebensmittel als Material stehen ursprünglich nicht im Fokus des Bildhauers, der in den 90er Jahren vor allem für seine spiegelnden Polyesterskulpturen bekannt ist. In Köln 1999, auf der Kunstmesse Art Cologne verwendet er erstmals Nutella als Material und bestreicht ein Wandregal mit dem beliebten Schokoladenaufstrich. Damit funktioniert er das Möbelstuck zur Skulptur um und widersetzt sich den gängigen Sehgewohnheiten des Kunstbetrachtens. Dieser erweiterte Skulpturbegriff findet sich auch in der Zuckerdüne wieder; die Grenzen der Bildhauerei werden hier ebenfalls mit sieben Tonnen Süßem verhandelt. Rentmeisters Kunst bewegt sich zwischen Minimal Art und Pop art, mit einer sehr humorvollen, eigenen Note. Die Verwendung von industriell gefertigten Produkten, wie Nutella, Chips und Penatencreme, lässt die Kunsthistorikerin Ursula Panhans-Bühler schließlich den Begriff des »unreinen« Minimalismus für seine Kunst finden. 

Text: Barbara Green, Foto: Meike Kenn

@2020 / contemplatio / Berlin