Meike Kenn 

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KURZVITA Meike Kenn (*1975) war Meisterschülerin von Arno Fischer an der Ostkreuzschule für Fotografie und besuchte die Lette-Schule in Berlin. Sie nahm bereits an zahlreichen Ausstellungen teil; ihre aktuelle Einzelausstellung in der Volksbühne ist noch bis zum Ende der Spielzeit 20/21 zu sehen. Im Herbst 2020 wird Ihre Kampagne für das Kunsthistorische Museum Wien im Stadtbild der österreichischen Hauptstadt zu sehen sein. Ihre Portraits von bildenden Künstler*innen und Schauspieler*innen sind regelmäßig in auftraggebenden Magazinen wie Monopol, der Freitag oder Missy Magazin abgebildet. 

 

 

Meike Kenn kommt bereits als Kind mit der Fotografie in Berührung und ist fasziniert von der Entscheidungsgewalt des Ausschnitts und der Bedeutungshoheit über die eine, ihre, Perspektive. Dabei ist die Kamera ihr Schutzschild und Machtinstrument zugleich. Ihr Sujet ist damals schon klar: sie fotografiert vor allem Menschen. Mit einem kleinen Umweg über den Journalismus kommt sie in Berlin, zurück zu dieser Form des Geschichtenerzählens und ist eine der ersten Schülerinnen an der neu ausgerichteten Lette-Schule. Im Anschluss besucht sie an der Ostkreuzschule die Meisterklasse bei Arno Fischer, der in seiner Lehre den humanistischen Stellenwert in der Fotografie betont. Dies spiegelt sich auch in Kenns dreiteiliger Arbeit „Rauschen“ wider, eine sehr persönliche Betrachtung der jugendlichen Menschen in ihrem familiären und direkten Umfeld. Der Titel rührt von der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass es im kindlichen Gehirn „… ein gehöriges Rauschen gibt, welches in der Umbauphase, des in der Adoleszent befindlichen Jugendlichen, langsam abnimmt, Nervenzellen synchronisieren sich besser, stärkere und rauscharme Signale werden erzeugt“. (Neuroscience & Biobehavioral Reviews: Larsen & Luna, 2018). 

Wer mit Jugendlichen zusammenlebt, wird wissen wie verrückt sich dieser elementare Umbau im Gehirn zuweilen im Alltag äußert. Kenn lebt in ihrer Patchworkfamilie mit drei Teenagern zwischen 14 und 16 Jahren zusammen. Die Fotografin zeichnet in dokumentarischen Beobachtungen und regelmäßigen Portraitsitzungen ein Bild, der komplexen Gefühlswelt und die rapide stattfindende Veränderung auf allen Ebenen, auf. In diesen Tagen beschäftigt sie die Aussage von Entwicklungspsychologen und Neurowissenschaftlern, die dem Drang der Jugendlichen, gelegentlich auszurasten und große Risiken einzugehen, elementare Bedeutung beimessen, um es zu einer unabhängigen Persönlichkeit zu bringen. Dafür müssen im besten Fall viele und entsprechend auch riskante Erfahrungen gemacht werden. Die Corona-Krise bedeutet also einen gewaltigen Einschnitt im Leben der Heranwachsenden, die sich nun nicht mehr frei (fort) bewegen können, sondern auf die familiäre Begegnung zurückgeworfen sind. In ihren drei Bildern spürt die Meike Kenn diesem Gefühl von Freiheit und dem Drang zu Rebellion und Bewegung nach. 

Text: Barbara Green, Foto: Adam Naparty

@2020 / contemplatio / Berlin