Frederike von Cranach 

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KURZVITA Frederike von Cranachs (*1976) Schwerpunkt liegt auf skulpturalem Werk, Druck und Zeichnung sowie auf dem ständigen Experimentieren mit verschiedenen künstlerischen Disziplinen, um ihre »Sprache« und ihren Ausdruck zu entwickeln. Nach dem Abitur absolvierte Cranach ein Studium in Modedesign an der AMD Düsseldorf. Nach dem Abschluss arbeitete sie einige Jahre in der Modebranche. 2008 entschied sie sich, ihrer Leidenschaft für die bildende Kunst hauptberuflich nachzugehen und studierte „fine arts studies“ an der Wackers Akademie in Amsterdam und danach an der »Escola de Artes Visuais do Parque Lage« in Rio de Janeiro. Heute lebt und arbeitet Frederike von Cranach in London.   

 

 

Frederike von Cranach arbeitet hauptsächlich mit Egagropili, verfilzten Seebällen, die von den Gezeiten an die Küste gespült werden. Die Pflanzen gehören einem der ältesten lebenden Organismen auf diesem Planeten an, dem Neptungras (lat. Posidonia Oceanica). Auf dem Meeresgrund befinden sich gigantische Seegrasteppiche, die für einen stabilen Meeresboden sorgen und sowohl als Sauerstoffquelle wie auch als Lebensraum für verschiedene Meeres-bewohner fungieren. Durch Verschmutzung der Ozeane und wildes Ankern ist die Pflanze, die eine bedeutende Grundlage unseres Ökosystems darstellt, bedroht. Egagropili vollziehen unter Wasser eine Metamorphose des Seins, bis sie – von Naturkräften verformt – als Pellets von der Künstlerin am Strand aufgesammelt und im Atelier zu Skulpturen transformiert werden. Die Werkserie »Liquid Silence« lebt von einer stillen und harmonischen Präsenz. Die Skulpturen erzählen vom Zyklus der stetigen Wandlung von Natur und Kultur und fangen jenen Augenblick ein, der uns dazu bewegt innezuhalten, bevor die Hochgeschwindigkeit unseres Alltags wieder einsetzt. 

Das von Cranach mundgeblasene Glas, welches über den Objekten sitzt, wirkt einerseits poetisch durch seine organische Form, die an Wellenbewegungen erinnert – andererseits macht sich auch ein Gefühl der Bedrückung breit. Sinnbildlich schleicht sich der Gedanke vom Leben unter einer Glasglocke ein, einem Leben isoliert von der Außenwelt in einer Art selbstreflektierender Zone, wie es die Menschheit aktuell selbst erlebt. 

Text: Barbara Green, Foto: Sylwia Markis

@2020 / contemplatio / Berlin