Birte Bosse 

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KURZVITA Birte Bosse (*1984) wuchs in Worpswede und in Kuhstedtermoor auf. 2006 erhielt sie Ihren Abschluss der Fachoberschule für Produktdesign und Kunst in Bremen, 2012 ihr Diplom der Hochschule der Künste in Braunschweig, dort studierte sie bei Friedemann von Stockhausen, Thomas Rentmeister und Bogomir Ecker und machte 2013 den Meisterschüler bei Bogomir Ecker. 2019 brachte sie ein Stipendium an der RMIT-Universität Melbourne nach Australien. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

 

 

 

Birte Bosse kommt schon früh in Kontakt mit bildender Kunst, die Diskussion über Kunst mit ihrem Künstler-Vater sowie die skulptural anmutenden Dental-Modelle ihrer Mutter, einer Zahntechnikerin mit ebenfalls künstlerischer Begabung, schulen ihre Sinne. Von der Kindheit, über das Studium und bis in die Gegenwart ist ein Thema signifikant für das Werk der Künstlerin: die Auseinandersetzung mit der Linie. Das geschieht vorerst in Skizzen, Zeichnungen und Malereien. Parallel dazu existiert das Konstruktionsmittel ebenfalls in der Skulptur, von Bosse vorerst unbemerkt. 

2019, bei einem vier monatigen Trip quer durch Südost-Asien, begegnen der Künstlerin auf Märkten und vor kleinen Shops, selbstgebaute Ladenschilder und Warenständer. Die gebogenen und geschweißten Linien der Eisenstangen inspirieren sie rückblickend dazu, ihre Zeichnungen in den Raum zu transportieren. Zurück in Berlin, startet der kreative Prozess intuitiv und wird mit der Zeit konkreter. Die Idee, die Leichtigkeit ihrer Zeichnungen in die Skulptur zu bringen, wird letztendlich zum Leitmotiv der neuen Werkserie. Es entstehen vierundzwanzig menschlich anmutende Metall-Skulpturen die, unter dem Titel LE SQUAD, erstmals in der Galerie Gisela Clement in Bonn gezeigt werden. Wie in einer Familie besteht die Werkgruppe aus demselben Material, setzt sich gleichzeitig aber aus vielen individuellen Persönlichkeiten zusammen, die bei Bosse alle einen Namen erhalten, der Ihren Charakter beschreibt.

 

Doch nun werden Einzelne von der Gruppe isoliert – »Der Farmer«, »der Musiker« und »die Verwirrte« begeben sich in die Räumlichkeiten der Online-Ausstellung CONTEMPLATIO. Betrachtet man die drei Figuren, wird man einer persönlichen und warmen Aura gewahr – ein Gegensatz zum kalten Material des Stahls. »Der Farmer« wirkt wie eine tragisch- komische Figur in Form einer Harke, die vor Erschöpfung in sich zusammensinkt. »Der Musiker« erinnert an eine Stimmgabel und hat mit seiner Größe und dem dünnen Körper etwas Schlaksiges an sich und »die Verwirrte« scheint sich permanent um sich selbst zu drehen. Alle drei treten, durch ihre Menschlichkeit und das Erzählerische ihrer Erscheinungen, in direkte Kommunikation mit den Betrachtern. 

Text: Barbara Green, Foto: Meike Kenn

@2020 / contemplatio / Berlin